Willkommen
    in der Ortsgemeinde  Rehe im Westerwald

Historisches

Historischer Dorfplatz

Auf diesem „Historischen Dorfplatz“ findet man Geschichte und Geschichten aus der Vergangenheit unseres Ortes und seiner Umgebung. 

Die Quellen hierfür sind vielfältig: Staatsarchive, Kirchenbücher, Schulchroniken, Schriftstücke, Bücher, private Aufzeichnungen, Internet und Mündliche Überlieferungen. 

Zusammengesetzt aus dieser Mischung kann diese Rubrik nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit haben sondern ist dazu gedacht den Leser auf eine Zeitreise mitzunehmen. Belegte Textstellen und Zitate werden nach bestem Wissen mit Quellenangaben versehen, unbeabsichtigt nicht genannte Autoren mögen sich bitte zwecks Nachtrag melden.

Es lässt sich sicher nicht vermeiden dass hier und da Worte „off Reijer Platt“ (der in Rehe gesprochene Dialekt) verwendet werden müssen; diese sind dann kursiv geschrieben und die Übersetzung liefert der freundliche Nachbar oder ein noch zu schreibendes Wörterbuch „Reijer Platt - Vehrneehm“.

Natürlich ist Unterstützung in Form von Textbeiträgen oder historischen Fotos und Dokumenten sowie Korrektur und sachliche Kritik jederzeit willkommen.

 

 

Kleines Reher Küchenlexikon Teil 1

 

Remmelches-kouche

Krenge en Aaierkääs

Quetsche-kouche

Griebs-gribbel

Aaier-zeschmiern

Äärddebel bett der Scheelz

Schlutte-sooß

Erwes-subb en Soi-baanchje

Määhl-kließ

Mettzel-subb

Wöerschengs-mouss

Kalroowe-braai

Dembb-äbbelcher

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 "Manschestern Buxe sai doch de beste.

Mai Brourer en aaich, mier huh der lauder."

unbekannter Verfasser - erinnert von Gerd Jung

(Hosen aus Breitcord- ursprünglich gefertigt in Manchester/UK -sind doch die besten. Mein Bruder und ich besitzen ausschließlich solche)

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Vom Büblein auf dem Eis

Friedrich Güll (1812-1879) 

Gefroren hat es heuer 

noch gar kein festes Eis. 

Das Büblein steht am Weiher 
und spricht zu sich ganz leis: 
»Ich will es einmal wagen, 
das Eis, es muß doch tragen. 
Wer weiß!«

 

Das Büblein stampft und hacket 
mit seinem Stiefelein. 
Das Eis auf einmal knacket, 
und krach! schon bricht's hinein. 
Das Büblein platscht und krabbelt, 
als wie ein Krebs und zappelt 
mit Arm und Bein.

 

»O helft, ich muß versinken 
in lauter Eis und Schnee! 
O helft, ich muß ertrinken 
im tiefen, tiefen See!« 
Wär' nicht ein Mann gekommen – 
der sich ein Herz genommen, 
o weh!

 

Der packt es bei dem Schopfe 
und zieht es dann heraus, 
vom Fuße bis zum Kopfe 
wie eine Wassermaus. 
Das Büblein hat getropfet, 
der Vater hat's geklopfet 
zu Haus.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Auszug aus derSchulchronik 1826

"Nach den Aussagen alter Personen sind die Kinder des Kirchspiels Emmerichenhain von den Filial-Orten noch bis ungefähr 1714 nach Emmerichenhain zur Schule gegangen...Als diese Orte sich vermehrten und größer wurden, haben diesselbe für den Winter Männer gedingt, welche ihre Kinder unterrichteten...Erst im Jahre 1752 ist die Schule daher mit einem wirklichen Lehrer...besetzt worden, welcher zur Zufriedenheit der Gemeinde bis ins Jahr 1769 den Dienst versah...Damals war den Tag viermal Schule.."

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 Dreckliche Kließ

1/3 Pellkartoffeln vom Vortag durchgepresst

2/3 geriebene rohe Kartoffeln ausgepresst

mit Salz und der Kartoffelstärke, die sich beim Abtropfen absetzt,
und, je nach befragter Hausfrau,
mit  Ei /Haferflocken / Muskatnuß
zu einem Teig vermengen.
Daraus kleine Klöße formen und in Salzwasser kochen bis sie aufsteigen.
Abtropfen lassen und in
fettem Speck, Zwiebeln, und wenn die Klöße "drecklich" sein sollen, mit Blutwurst in der Pfanne braten.
 
"Wie isst der Bauer die Kließ?

   - an im Maul

   - an off der Gowwel en

   - an im Aache"

 

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

Das Schulgebäude an der Hauptstraße wurde Anfang der 20er Jahre erbaut als die Räumlichkeiten in der "Alten Schule", dem Reher Rathaus, nicht mehr ausreichten um die Kinder zu unterrichten. Auch für die Lehrer gab es in der Neuen Schule großzügigere Wohnungen mit mehr Komfort.

Aus der Schulchronik:

 "Am 30. November 1924 konnte die neue Schule ihrer Bestimmung übergeben werden."

 Es gab ein offizielles Programm mit Ansprachen von Bürgermeister Albert Hahnenstein, Landrat Dr. Schieren, Schulrat Stähler und Pfarrer Weber aus Emmerichenhain, mit  Beiträgen von Kinderchor und M.G.V. Homberg-Rehe sowie 4-händig vorgetragenen Klavierstücken.

 "Anschließend fand in der Wirtschaft ein Abendessen für die geladenen Gäste statt. Die Kinder versammelten sich zum gemeinsamen Kaffee und Kuchen in der alten Schule. Für die Jugend stand in der Wirtschaft Hahnenstein ein Faß Bier bereit. Frauen und Männer versammelten sich noch am Montag zum Kaffee in der Wirtschaft Weber. Recht lange hielt es die Gemeindevertreung u. eine Anzahl Gäste bei Wein und Zigarre gemütlich zusammen."

Um den gestiegenen Schülerzahlen gerecht zu werden erfolgte in den 60er Jahren ein Anbau; die Volksschulklassen 1-4 und 5-8 wurden jeweils gemeinsam in einem Raum unterrichtet.

Mit dem Bau der Grundschule Hoher Westerwald in Nister-Möhrendorf Anfang der 80er Jahre wurde der Schulbetrieb in Rehe komplett eingestellt.


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

 Im Eewerdorf  in Rehe, in der jetzigen Rathausstraße 4, wohnte zu Beginn des letzten Jahrhunderts Oswalds Lui.

Lui war luusleerich (unverheiratet) und seine Kühe Blessche und Schimmelche waren sein einziger Besitz. Und weil dem Lui sein Reichtum die Freiheit war, blieb sein Teller oftmals recht leer. Aber Blessche und Schimmelche gaben brav ihre Milch und der weiße, fette Schmand aus dem Schmandtopf war für den den Lui ein ganz besonderer Genuss. Man kann sich wohl denken, dass auch die Mäuse in Lui's Haus kein einfaches Dasein führten und jede Gelegenheit wahrnahmen, sich über die überschaubaren Vorräte her zu machen. Nun hatte eines Tages einer dieser ungebetenen Gäste bei dem Versuch, etwas von dem wunderbaren Schmand zu naschen, sein Leben gelassen. Es gab sicher schlimmere Tode zu jener Zeit. Und für den Lui war der im Schmandtopf ertrunkene Nager kein wirkliches Problem: er fischte die Maus aus dem Schmand, leckte sie genüsslich ab und sagte nur:

"Sou fett kemmste mer net fourt!"

 (so fett werf ich dich nicht weg)


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

 

Reher Platt

In der hochdeutschen Sprache wird nur das Zahlwort Eins nach dem Genus (Geschlecht) dekliniert:

ein Mann, eine Frau, ein Kind

Im Westerwälder Platt (Dialekt) machen wir das ganz anders- so heißt es hier in Rehe beim Zahlwort Eins:

aa Mann (aa Mannskerl), aa Fraa (aa Weißmensch), aa Kend (aa Kläbber) .

Stattdessen beugen wir das Zahlwort Zwei viel ausführlicher und kennen dort drei Formen :

zwie Menner (oder zwie Mannskerle / Mannsleu), zwu Fraae (oder zwaa Weißleu), zwaa Kenn (oder zwie Kläbber)

In den Nachbargemeinden gibt es je nach dem aber auch zwä oder zwee Weißleu.

Wer mehr über unsere Sprache erfahren möchte darf sich gerne an die Plattschwätzer des Ortes wenden und herausfinden

               "ob die Kouh loh hönne da hau noch Haai huh sull..."

 


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

 

anno domini 1581:

Der Churfürstlich-Meintzische Mundtkoch  M. Marxen Rumpolt veröffentlicht vor über 430 Jahren mit seinem Kochbuch das wohl älteste schriftlich dokumentierte Rezept für

Eierkäs

"Nim Eyerdotter und Salz darein / geuß ein wenig Milch darunter / rürs durcheinander / und laß durchlaufen durch ein Härin Tuch1/ mach es süß mit Zucker / und zeuchs in Milch wenn sie seudt / rürs umb / daß nicht anbrennt / schütt es auff ein Schüssel / die Löcher hat / oder in ein ander Model2/ laß darinnen kalt werden / dz die gerunnen Milch davon hinweg kompt  /stürzs umb auff ein Weinblat / unnd sträw Driet3 darüber / oder wol gar nichts / denn es ist vorhin süß. Also macht man die Eyerkäß."

Aus Marx Rumpolt "Ein new Kochbuch" 1581        S. CXLVII, Zugemüß 71.

 

1Härin Tuch = fein gewebtes Tuch

2Model = Form

3Driet = Zucker und Zimt

 Für die moderne Version nimmt man 1/2 Liter Milch, 1 Prise Salz, 2 Eßlöffel Zucker und 5 Eier. Alles mixen, in einen Gefrierbeutel von guter Qualität geben, zubinden und im Wasserbad stocken lassen. Die Masse ab und zu ein wenig bewegen und wenn sie fest ist in die klassische Eierkäsform schütten. Mindestens 3 Stunden abtropfen und abkühlen lassen, aus der Form stürzen und in dicke Scheiben geschnitten mit Zimt und Zucker bestreut auf Kringen oder Weißbrot mit Butter genießen.
 


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

In unserer Region gibt es eine alte Tradition um auf eine sich anbahnende Zweierbeziehung aufmerksam zu machen. Die Freunde der beiden bis dahin heimlich Anbändelnden "machen eine Schtraai ".

Eine Spur aus Sägespänen, Zwetschgenkernen oder anderem Streugut wird Nachts von der Haustür des Einen durch die Straßen des Ortes zur Haustür des Anderen gestreut. Am nächsten Morgen ist die Neuigkeit so für den ganzen Ort sichtbar. Wohnen die beiden Beteiligten nicht im gleichen Dorf, endet und beginnt die Schtraai jeweils am Ortsschild. Es ist üblich, dass sie recht bald vom angehenden Paar aufgekehrt wird.

 


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

Ahnenforschung:

Kirchenbuch Emmerichenhain 1669-1806

Hier findet man eine „Abschrift“ der Kirchenbücher von Emmerichenhain aus den Jahren 1669-1806. Wenn man Index anklickt kommt man auf eine Liste mit den im Kirchenbuch verzeichneten Namen. Eine Dame namens Cathy Mellor hat die Inhalte in Stammbaum-Form zur Verfügung gestellt, wobei die Übertragung aus den alten Schriften unter Umständen nicht immer fehlerfrei ist. 

 


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

 

Geschichte:

"Rie"

Ein vergilbtes Pergament im Fürstlichen Archiv zu Wied aus der Zeit um 1300 beschreibt die Zinsen und Zehnten der Herren von Runkel auf dem Westerwald. Der Schrift nach entstand dieses Register Ausgang des 13.Jahrhunderts, möglicherweise auch Anfang des 14. Jahrhunderts und enthält, leider undatiert, Steuern und Abgaben der Ortschaften und Siedlungen die zwischen den damals sich scheidenden Linien der Herren von Runkel und Westerburg Anlass zu Streitigkeiten und Erbauseinandersetzungen gaben. Wenngleich in schlechtem Latein abgefasst und aufgrund des Erhaltungszustandes teilweise lückenhaft, sind doch die entscheidenden Namen deutlich erkennbar:

Hee sunt cense et decimi domini de Runkel, que cedunt in Wester(walde): 
...item "Kunegeshuben" (Königshofen, später Kindschue, ausgegangenes Dorf bei Emmerichenhain), item "Nova ecclesiam" (Neukirch), in villa "Nistere" (Nister), in "Zalebac"(Zahlbach, ausgegangenes Dorf bei Waigandshain), item de campo, quod dicitur "Hoenberch" (Homberg) , item in "Wigandshen" (Waigandshain) , item in "Winterhen" (Winterum, ausgegangenes Dorf bei Waigandshain) item "Emmerhehen" (Emmerichenhain), item iuxta ripam, que dicitur "
Rie" ( ebenso nahe bei dem Ufer, welches genannt wird Rehe)...

Entnommen aus der Festschrift unserer Nachbargemeinde Waigandshain

 

Karte Nassau 

Herrschaft zum Westerwald

Das Gebiet, westlich von Königshof Herborn gelegen, war ursprünglich aus dem chattischen (hessischen) Raum besiedelt worden. Die Herrschaft umfaßte die Kirchspiele, zugleich Zentbezirke Marienberg, Neukirch und Emmerichenhain. Diese drei Kirchspiele im Hohen Westerwald tauchen erstmals in einer Urkunde des Jahres 1048 auf ... 
[weiterlesen auf wikipedia.de